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Weinlagerung: Wie werden Weine optimal gelagert?

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JEDER WEINFREUND, DER SEINE WEINE DAHEIM AUFBEWAHREN MÖCHTE, UM BEISPIELSWEISE AUF DIE PROGNOSTIZIERTE PERFEKTE TRINKREIFE ZU WARTEN, STELLT SICH DIE FRAGE, WIE WEINE AM BESTEN GELAGERT WERDEN. DABEI VERLIEREN VIELE WEINFREUNDE JEDOCH AUS DEN AUGEN, DASS SIE DIE ZWEITE FRAGE VOR DER ERSTEN STELLEN! DEN BEVOR DU EINEN EIGENEN WEINKELLER BAUST ODER IN TEURE WEINKLIMASCHRÄNKE INVESTIERST, SOLLTEST DU ALS ERSTES KLÄREN, OB DEINE WEINE VON EINER LÄNGEREN LAGERUNG WIRKLICH PROFITIEREN.

 

Welche Weine profitieren von einer längeren Lagerung?

Leider hält sich nahezu unausrottbar der Mythos, dass alle Weine von einer langen Reifung profitieren könnten. Dabei ist es eher umgekehrt. Heutzutage werden nur die wenigsten Weine für eine lange Lagerung hergestellt. Die Produzenten trugen und tragen den veränderten Trinkgewohnheiten Rechnung, indem sie darauf reagierten, dass die meisten Konsumenten Weine schnell konsumieren wollen. Grob geschätzt sind 80% aller Weine nur ein bis drei Jahre nach der Abfüllung trinkreif. Selbst unter optimalen Bedingungen erfahren diese Weine bei längerer Lagerung keinen qualitativen Zuwachs. Lediglich 15% der Weine können fünf bis 10 Jahre lagern und höchstens 5% profitieren von einer Lagerung, die mehr als zehn Jahre dauert. Dieses gilt für Rot- und Weißweine gleichermaßen.

Die meisten Weine werden gekauft, um sie am selben Tag oder am nächsten Wochenende zu genießen. Grundsätzlich gilt für nahezu alle Weine, dass Du sie, unabhängig davon, wie teuer sie waren, direkt nach dem Kauf genießen kannst. Dennoch ist es ratsam, den Weinen nach dem Kauf einige Tage Ruhe zu gönnen, damit sie sich vom Transport erholen. Durchgeschüttelte Weine sind im Ungleichgewicht und schmecken dadurch nicht optimal. Oftmals wirst Du diese „Unordnung der Moleküle“ weder riechen noch schmecken. Aber möchtest Du Dich mit weniger als dem Optimum zufrieden geben?

 

 

Die meisten Weine von heute sind alles andere als zickige „Diven“. Sie werden nach den neuesten Wissenskenntnissen erzeugt, geschönt, geschwefelt, filtriert, stabilisiert und entsprechen den aktuellen Hygienestandards. Manche Weinjournalisten sprechen bei solchen Weinen auch gern von Industrieprodukten, die selbst lange Transportwege über Kontinente hinweg, unsachgemäßer Präsentation im Handel und falsche Zwischenlagerung ohne Schaden überstehen. So gehört die repräsentative Aufbewahrung von Weinen in „schicken“ Weinregalen, die vorzugsweise in der Küche oder im überhitzten Wohnzimmer anzutreffen sind, scheinbar zum guten Ton. Auch wenn dabei aus den Augen verloren wird, das diese Form der Aufbewahrung selbst für einen Wein, der nach den modernsten Methoden hergestellt wurde, eine echte Folter darstellt.

Demgegenüber werde von Winzern höherwertige Weine derart vinifiziert und ausgebaut, dass sie länger lagern können und teilweise auch müssen, bevor sie ihr gesamtes Potenzial offenbaren. Als Faustregel lässt sich sagen, dass Weine länger haltbar sind, wenn sie über einen höheren Gehalt an Tanninen bzw. Gerbstoffen (insbesondere bei Rotweinen), Alkohol, Süße (Restzucker), Phenolen, Schwefel und Säure verfügen. Das Zusammenspiel dieser einzelnen Inhaltsstoffe ergänzt sich positiv und führt zu einer längeren Lagerfähigkeit. Sie entwickeln ihre volle Reife und Eleganz oft erst nach Jahren der fachgerechten Lagerung. Unsachgemäßer Transport und falsche Lagerung können zu Veränderungen in der Entwicklung der Weine führen, so dass sie niemals ihr Potenzial komplett entfalten. In Anbetracht der Preise für Weine aus dem Premiumsegment sollten diese von dir als Weinfreund stets wie ein rohes Ei behandelt werden. Und du kannst dabei nur hoffen, dass dein Weinhändler zuvor ähnlich umsichtig mit deinem Objekt der Begierde umgegangen ist.

Apropos Premiumsegment: Der Verkaufspreis von Weinen ist, entgegen der landläufigen Meinung, kein verlässliches Indiz für eine lange Lagerfähigkeit. Um sicher zu gehen, wie lange du deine Weine lagern kannst, empfehlen wir dir, deinen Weinhändler konkret zu befragen, in einschlägigen Online-Foren zu recherchieren und natürlich diesen Artikel aufmerksam zu Ende zu lesen.

 

5 Voraussetzungen für die Lagerung von Weinen

Wenn du Weine dein Eigen nennst, die mehrere Jahre lagern können und sollen, musst du auf die richtigen Lagerbedingungen achten, um später hervorragend gereifte Weine genießen zu können. Diese fünf allgemeinen Regeln, helfen Dir, die idealen Voraussetzungen zu schaffen:


Konstante Temperatur:
Die Komfortzone für Weine liegt bei 10 bis maximal 15°C. Je höher die Temperatur ist, desto schneller reift der Wein. Zudem liebt Wein keine heftigen Temperaturschwankungen. In manchen Quellen wird das Schlafzimmer als Ort für die Lagerung vorgeschlagen, da hier in aller Regel niedrigere Temperaturen als in den anderen Wohnräumen herrschen. Wir raten davon jedoch ab, da die weiteren Anforderungen an eine optimale Lagerung im Schlafzimmer selten erfüllt werden.


Feuchtigkeit:
Neben der richtigen Temperatur, gilt eine hohe Luftfeuchtigkeit zwischen 60% und 85% als optimal. Bei Weinen, die mit Naturkork verschlossen sind, können diese in trockener Raumluft deutlich schneller austrocknen, sie verschließen die Flasche nicht mehr ausreichend, der Wein verdunstet, oxidiert und verliert an Qualität.


Dunkelheit:
Verzichte auf eine tolle Effektbeleuchtung oder andere Lichtquellen in deinem Weinkeller, denn Licht ist neben hohen Temperaturen für jeden Wein schädlich und führt zu deutlich wahrnehmbaren Geschmacks- und Aromenverlusten.


Belüftung:
Solltest du denken, dass der Weinverschluss und die Glasflasche gegen Gerüche von außen immun sind, liegst du falsch. Gerüche aus der Umgebung können im Laufe der Zeit in den Wein gelangen, da weder der Verschluss noch die Flasche hundertprozentig dicht sind. Ein regelmäßiger Luftaustausch verringert das Risiko, dass Modergeruch, Ausdünstungen aus einer Waschküche oder von eingelagerten Kartoffeln in den Wein gelangen.


Ruhige Lagerung:

Der ideale Aufbewahrungsort sollte – last not least – zudem erschütterungsfrei sein.

 

Der ideale Weinkeller

Kühlschrank oder Weinklimaschrank?

Weinfreunde, die über keine Kellerräume verfügen, stehen vor der Frage, ob es unbedingt ein kostenintensiver Weinklimaschrank sein muss, oder ob auch ein Kühlschrank für die die Lagerung von Weinen ausreichend ist. Wenn du deine Weine innerhalb eines Zeitraums von ca. 12 Wochen trinkst, kannst du sie getrost im Kühlschrank aufbewahren. Für eine längere Lagerung sind handelsübliche Kühlschränke jedoch kontraproduktiv. Durch die Vibrationen der Kühlpumpe sind sie nicht erschütterungsfrei und lassen sich in aller Regel nicht auf die ideale Lagertemperatur zwischen 10 und 15°C einstellen. Die üblicherweise kühleren Temperaturen in einem Kühlschrank sorgen dafür, dass sich Korken zusammenziehen und so Luft in die Flasche gelangen kann. Infolgedessen oxidiert der Wein und verliert an Aromen und Geschmack. Daher ist für die professionelle Lagerung ein guter Weinklimaschrank oder die Lagerung in sogenannten Weinbanken ratsam, wenn Du über keine alternativen Lagerungsmöglichkeiten verfügst.

 

Aufrecht oder liegend?

Ob du die Flaschen stehend oder liegend lagern solltest, wird in der Fachwelt kontrovers diskutiert. Während Weine mit Kunststoffkorken, Schraubverschluss oder Glasverschluss ohne Weiteres stehend gelagert werden können, scheiden sich bei Naturkork die Geister. Neuere Studien kamen zu dem Ergebnis, dass diese ebenfalls aufrecht stehend gelagert werden können. Der Wein im Flascheninneren hält den Korken ausreichend feucht, so dass er nicht zu schnell schrumpft. Manche Experten begrenzen diese „Standzeit“ auf ein bis zwei Jahre, während andere die aufrechte Lagerung auch für längere Zeiträume als unproblematisch ansehen. So lange die Hersteller von Weinregalen oder anderen Weinlagersystemen in erster Linie auf eine liegende Lagerung setzen, wird Dir diese Entscheidung schon abgenommen.

Das Wichtigste wie immer zum Schluss: Ob nun kurz oder lang gelagert, Hauptsache der Wein bereitet Dir Freude. Prost!